Teil 1 von Jonathan Obendorf
(Korrektur von Moritz Gutte und Leopold Schuster sowie Frau Völker und Herrn Ahsmus)
Einleitung
Ab der siebten Klasse können an unserer Schule Schülerinnen und Schüler am Teamwettbewerb „Bolyai“ teilnehmen. In unserer Erinnerung gibt es auch kein Jahr, indem kein MANOS-Team zum Finale nach Budapest gefahren wäre, wo es dann gegen Mannschaften aus der Schweiz, Österreich, der Slowakei, Ungarn und Rumänien antrat. Dabei ist die Qualifikation in die Finalrunde gar nicht mal so einfach: Ein Team, bestehend aus 4 Schülerinnen und Schülern, muss die höchste Punktzahl in ganz Deutschland erreichen und tritt dabei in der Regel gegen viele hundert Konkurrenten an. Zum 14. Januar dieses Jahres haben durch ihre herausragenden Leistungen zwei Teams beschlossen, der Fördergemeinschaft Gelder für einen Trip nach Budapest aus der Tasche zu ziehen. Das sind zum einen „Team-Pi“, bestehend aus Bhuvan Chalamala, Karl Guhlemann, Rishi Kumar und Günes Özen (Klasse 8), sowie das Team „D.U.S.S.E.L.“ mit den Teammitgliedern Leopold Schuster, Julius Morgenstern, Moritz Gutte und Jonathan Obendorf (Klasse 10), die dieses Jahr zur Titelverteidigung in Budapest antreten durften.
Tag 1: Abfahrt
Der vereinbarte Treffpunkt zur Abfahrt nach Ungarn wurde pünktlich zu Beginn des gleichzeitig startenden Schulfests donnerstags um 14:00 Uhr von fast allen Teilnehmern erreicht. Nach einem Gemeinschaftseinkauf im Edeka, bei dem nebst Brötchen und herzhaftem Belag fürs nächste Abendbrot auch süßer Aufstrich gekauft wurde, der sich später als absolutes Must-Have herausstellen werden wird, traten die zwei zum Anschlag gefüllten Volkswagen ihre Reise an. Dank der kombinierten Navigationskompetenz Frau Völkers und Herrn Ahsmus‘ wurde der Zwischenstopp in Form eines elfbettigen Airbnbs bei Brünn erreicht. Hier speisten wir unsere Vorräte, verloren die erste und bisher einzige Flasche Paulaner Spezi an die Schwerkraft, erlebten einen halbstündigen Stromausfall und übernachteten schließlich in kleinen Räumen mit teilweise engen Betten.
Tag 2:
Das Kartenspiel, das unsere Reise verändern sollte.
Zum nächsten Morgen war der Wecker früh gestellt, 07:15 Uhr klingelte das Telefon. Bis 10 Uhr musste die Wohnung geräumt sein, was sich praktischerweise mit der geplanten Abfahrtszeit deckte. Nach der Überquerung der slowakischen und anschließend der ungarischen Grenze war die Rast- & Gaststätte des Vertrauens erreicht: McDonalds. Beim ungarischen Autobahn-Mäccis kostet ein „Cheeseburger“ mit 0,4l Cola und kleiner „Pommes“ umgerechnet weniger als 4€ (Geheimtipp, aber natürlich keine Werbung, das ist ja eine schulische Website hier). Vegetarische (geschweige denn vegane) Hauptgerichte waren nicht aufzufinden. Die Gruppe hielt sich eine Weile länger bei den Außensitzgelegenheiten auf, die 8er spielten zusammen mit Frau Völker und Herr Ahsmus Wizard, während die 10er sich mit dem Kartenspiel Tichu vertraut machten. Nach einer relativ ereignislosen Weiterfahrt kamen die Auserwählten etwas nach 15:00 Uhr im Hotel Bara, Budapest, an. Das Hotel, welches 2017 noch zu den besten 50 Drei-Sterne-Hotels der Stadt gehört haben soll, kann eigentlich kaum anders errichtet worden sein, als auf die folgende Art und Weise:
Die Legende besagt, dass eines Tages ein junger Architekt in seinem Büro einen Geistesblitz erfuhr. Er hatte eine Vision, eine völlig neue Bautechnik erschloss sich in seinem Kopf. Sofort machte der junge Herr sich an den Entwurf des Hotels, das er Bara nennen würde. Nach langer mühsamer Arbeit war die Fassade gestaltet, die Theorie vollendet und der Plan dem Bauleiter übergeben. Dieser machte sich, skeptisch der neuen Methoden, doch sogleich ans Werk und konstruierte den würfelförmigen massiven Klotz, dem er die eingezeichneten Verzierungen, Türen, Fenster versah. Nun ging es an die Inneneinrichtung: Hierfür wurden Einwohner der Stadt Budapest davon überzeugt, im soliden Betonklotz seien eintausend Gramm Gold versteckt. Nicht lange dauerte es also, da waren die ersten Gänge mit Spitzhacken geschlagen. Aufgrund der verschiedenen Motivations- und Teamstärken entstanden unterschiedlich geformte Freiräume. Eine besonders motivierte Gruppe schlug sogar einen Gang durch die Erde bis zum nächsten Gebäude der gleichen Bautechnik, dass der Architekt aufgrund des bisher erfolgreichen und schnellen Bauprozesses bereits in Auftrag gegeben hatte. Nachdem man allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern schonend beigebracht hatte, dass das Gold wohl verloren gegangen sein muss, konnten gelernte Handwerker Räume und Gänge ebnen und bewohnbar machen. Als man feststellte, dass ein unterirdischer Gang zu einem anderen Klotz, der ebenfalls ausgehöhlt worden war, existierte, entschied man sich, die beiden Gebäude zu einem Hotel Bara zusammenzulegen. Bei der großen Motivation und dem Zeitdruck, die die Gangschlaggruppe erfuhr, hatte sie jedoch recht wenig auf die Richtung geachtet, in die sie gruben und deswegen keine einzige Biegung im rechten Winkel ausgehoben. Das schien jedoch die Bauherren recht wenig zu interessieren und deswegen sind einige Gänge im heutigen Hotel Bara in allen erdenklichen Dimensionen schräg. Und wenn der TÜV nicht vorbeigekommen ist, dann gibt es sie noch heute.
Am Abend in besagtem spannendem Hotel erhielten Leopold, Moritz und Jonathan ihre Zeugnisse (Julius nicht, weil er den Bücherzettel noch nicht abgegeben hatte), mit denen alle drei sehr zufrieden sein durften. Nach einem essbaren Abendessen war es nun Zeit ins Bett zu gehen, was für Jugendliche meistens bedeutet, irgendetwas zu tun, dass mit ruhig im Bett liegen nur entfernt verwandt ist. Es wurde Tichu gespielt und Spezi getrunken. Erst gegen 0:00 Uhr waren alle im Bett, wohlwissend, dass der kurze Schlaf Einfluss haben könnte auf die morgigen Ergebnisse.
Tag 3: Mission Titelverteidigung
Um brutale 06:30 Uhr am Morgen eines Samstags klingelte der Wecker. Fleißig und motiviert sprangen alle aus dem Bett, so wie Teenager das normalerweise tun. Um 07:30 begann das Frühstück, welches single-handedly vom eigentlich für den Vortag gedachten Nutella und der Heidelbeerkonfitüre gecarried wurde. Kurz danach, um 08:15 war der Treff für den Bus zum Gymnasium Baar-Madas, den in etwa die gleichen Leute knapp verpassten, die auch Donnerstag schon die Abfahrt leicht verpasst hatten. Wir durften trotzdem noch mitfahren.
09:30 Uhr war es dann soweit, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer rissen die Umschläge mit den Aufgaben auf und begannen zu knobeln. Innerhalb weniger Sekunden hatten im Team D.U.S.S.E.L. alle Teammitglieder eine Aufgabe ausgewählt. Doch nun würden sich die großen Fragen stellen – Würde sich der kurze Schlaf rächen? Kann man sich wieder darauf verlassen, dass die Konkurrenz wieder nur knapp über die Hälfte der Punkte kommen würde? Ist es vielleicht unpraktisch, über einen längeren Zeitraum hinweg keine anspruchsvolleren Mathematik-Aufgaben mehr gelöst zu haben? All diese Fragen und noch viele mehr schossen den besten deutschen Junior-Mathematikern durch den Kopf. Im Laufe der Zeit wurden erste Lösungen präsentiert, diskutiert, kontrolliert und Aufgaben gemeinsam noch mal neu aufgerollt. Nach mehreren Fragen, die der Übersetzung der Aufgaben vom Ungarischen ins Deutsche geschuldet waren, war das Team D.U.S.S.E.L. sich seiner Lösungen sehr sicher – und reichte sie 10:30 Uhr zum Ende des Wettbewerbs ein.
In der relativ kurzen Einspruchsfrist von 15 Minuten ging es dann aber nochmal heiß her: Ein MANOS-Team hatte aufgrund von ungenauen Übersetzungen andere Bedingungen in der Aufgabe gelesen, als zur Lösung gedacht waren. Das andere Team konnte sich darüber freuen, dass sich herausstellte, dass die Antwortbuchstaben in der Lösung vertauscht waren. Da der Fehler in beiden Fällen bei den Organisatoren lag, wurde den Einsprüchen Gültigkeit gewährt. Damit konnten beide Teams fehlerfreie Ergebnisse vorweisen, entsprechend mit voller Punktzahl und hohen Erwartungen in die Auszeichnungsveranstaltung gehen. Nach aufregendem Warten und wiederholtem Klatschen in der Turnhalle des Gymnasiums wurde das „Team-Pi“ endlich auf die Bühne gerufen – zusammen mit einem anderen Team hatten Bhuvan, Karl, Rishi und Günes in der Klassenstufe 8 die volle Punktzahl erreicht und damit den geteilten ersten Platz! Eine kurze Weile später durfte dann auch „D.U.S.S.E.L.“ nach vorne kommen und sich die verdienten Goldmedaillen abholen. Das zweite Jahr in Folge konnte Leopold, Moritz und Jonathan in Budapest Gold holen, für Julius war es das erste Mal. Herzlichen Glückwunsch an beide Teams, das muss man erstmal so machen.
Nach einem Mittagessen in der Schule ging es dann zurück zum Hotel, wo das Team D.U.S.S.E.L. beschloss, diesen Artikel zu schreiben, während alle anderen zur Besichtigung Budapests und des Budapester Parlaments aufbrechen …
Teil 2 von Herrn Ahsmus und Frau Völker
Die Busfahrt zum Parlament startete sehr pünktlich.
Nach einem raschen Einstieg in und kurz später noch rascherem Ausstieg aus dem Bus standen wir auf einer Straße und mussten einen kurzen Fußweg zu dem imposanten Gebäude zurücklegen. Von außen schon recht ansehnlich, ist das Parlament der Inbegriff von Prunk und Protz. Die Führung war kurzweilig und interessant und wir durften sogar den Parlamentssaal besichtigen, der aktuell noch genutzt wird, da der sonst zu besichtigende Saal just an diesem Tag für eine Veranstaltung benötigt wurde.
Nach dieser Besichtigung verabschiedeten wir Rishi in seinen Familienurlaub und zogen ohne ihn weiter.
Anschließend mussten wieder flinke Füße an den Tag gelegt werden, um zügig in den Bus ein- und wieder aus ihm auszusteigen. Ehe wir es uns versahen, befanden wir uns auf der Margareteninsel und durften eine Stunde lang gemeinsam ein Bringohinto, das man sich wie eine Mischung aus Rikscha und Tandem vorstellen kann, über die Insel fahren. Das war ein schönes Abenteuer. Es wurde viel gelacht.
Nach einem Abendessen im Speisesaal des Gymnasium entschieden wir uns auf Anraten der Kollegin Frau Stange, noch die Aussicht vom Gellértberg zu erkunden – ein wunderschöner Tagesabschluss. Leider erfuhren wir erst später, dass es noch weitere empfehlenswerte Aussichtspunkte auf diesem Berg zu geben scheint …
Tag 4: Ereignislose Rückfahrt
Nach absolut pünktlicher Schlüsselübergabe zurück an das Hotel starteten wir am Sonntag entspannt auf die Autobahn. Es gibt nicht viel zu berichten von dieser Fahrt, außer dass sie – dem Wochenende sei Dank – deutlich kürzer war als gedacht, sodass wir bereits am späten Nachmittag am Bahnhof Neustadt voneinander Abschied nehmen und verspätet in die wohlverdienten Sommerferien starten konnte.
Herzlichen Glückwunsch an unsere Goldjungs vom gesamten Kollegium!