Wir schreiben den 27. Juni 2026. Die Reise beginnt – aber der Weg dorthin war lang: Über acht Monate haben wir, die MANOSapiens, eines der beiden Robotik-Teams unserer Schule, uns auf diesen Moment vorbereitet.

Was ist eigentlich die First Lego League?

Die FIRST LEGO League (FLL) ist weit mehr als „nur“ der Bau eines Lego-Roboters. Allein in der DACH-Region treten jedes Jahr über 650 Teams in vier Kategorien an:

  1. Robotgame – Der selbst gebaute Roboter löst unter Zeitdruck Aufgaben auf einem Spielfeld, jede Bewegung präzise geplant und programmiert.
  2. Robotdesign – Die Jury bewertet Bauweise und vor allem Programmierung: vom komplexen Backend bis zum einfach bedienbaren Frontend.
  3. Forschung – Jedes Team erarbeitet ein Projekt zum jährlich wechselnden Thema, in dieser Saison: Archäologie.
  4. Grundwerte – Teamwork und der faire, offene Umgang mit anderen Teams.

Alle vier Kategorien fließen am Ende in die Gesamtwertung ein.

Nach Erfolgen im Regionalwettbewerb in Dresden und im Semifinale in Wildau überzeugten wir auch beim Deutschland-Österreich-Schweiz-Finale in Leipzig in allen vier Kategorien und sicherten uns einen der begehrten internationalen Startplätze. Neun Wettbewerbe standen zur Auswahl – unsere Wahl fiel auf das FIRST LEGO League Korea Open Invitational in Jeonju, das erste FLL Open Invitational, das je in Südkorea ausgetragen wurde. Mit dabei: Milan, Hannes, Ellen, Richard, Viktor, Finn, Elena und Patrick – sowie Coach Marius, der vor zwei Jahren noch selbst noch zum Team gehörte.

Ankommen in Seoul

Vom fast leeren Dresdner Flughafen über das volle Frankfurt bis nach Seoul dauerte die Anreise rund 20 Stunden. Nach dem Bezug der Ferienwohnung am 28. Juni verschaffte uns eine Stadtrundfahrt einen ersten Eindruck von der Megametropole: gläserne Hochhäuser direkt neben traditionellen Häusern und Tempeln, dazu Wahrzeichen wie der Seoul Tower und die ehemaligen Königspaläste. Der Jetlag schickte uns früh ins Bett – und bescherte den meisten von uns mit 15 Stunden den längsten Schlaf ihres Lebens.

Ausgeschlafen stand tags darauf der Gyeongbokgung-Palast auf dem Programm. Wir erlebten den traditionellen Wachwechsel und bestaunten die kunstvolle koreanische Architektur – wer in der traditionellen Tracht Hanbok erscheint, bekommt übrigens freien Eintritt.

Selbst die Tierwelt überraschte uns, etwa mit kleinen Gottesanbeterinnen auf dem Palastgelände. Im alten Thronsaal entdeckten wir das berühmte Gemälde hinter dem Thron: Sonne und Mond über fünf Bergen – Yang und Yin, Symbol für das kosmische Gleichgewicht und die Macht des Königs. Weiter ging es ins Bukchon Hanok Village, wo sich hunderte traditionelle Hanok-Häuser mit geschwungenen Dächern aneinanderreihen.

Typisch für Korea ist außerdem Ginseng – also besuchten wir ein Ginseng-Museum und probierten uns anschließend auf einem Markt durch superleckeres Streetfood. Der Abend klang am Fuße des Seoul Towers aus (hoch zum Turm, nicht hinauf!) – mit grandioser Aussicht über die Stadt im Sonnenuntergang und in der Dunkelheit.

An der Grenze: Besuch der demilitarisierten Zone

Der 30. Juni führte uns – vorbei an einem wunderschönen See – in die demilitarisierte Zone (DMZ) an der Grenze zu Nordkorea, die täglich nur wenige Busse befahren dürfen. Kleine Museen erzählten die Geschichte der koreanischen Teilung, und wir konnten tatsächlich nach Nordkorea hinüberblicken. Besonders bewegend war das Gespräch mit einer Frau, die von dort geflohen ist. Manche Geschichten über den Konflikt der beiden Staaten mag man kaum glauben – etwa den „Krieg der Lautsprecher“, bei dem sich beide Seiten an der Grenze mit Musik beschallten, oder den Wettstreit um den höheren Flaggenmast.

Zum Abendbrot gab es – wie fast immer – traditionelles koreanisches Essen. Die Suche nach vegetarischen Gerichten dauerte zwar jedes Mal ihre Zeit, dafür kamen wir auf der Essensmeile an gleich mehreren K-Pop-Boygroups vorbei, die dort auftraten.

Einen Tag später besichtigten wir den Haenggung-Palast, eine ehemalige Residenz der Joseon-Könige außerhalb der Hauptstadt, und liefen durch einen Tunnel voller bunter Lichtinstallationen.

Auf nach Jeonju – der Wettbewerb beginnt

Der Zug brachte uns am 2. Juli nach Jeonju, den Austragungsort des Wettbewerbs: deutlich ruhiger als Seoul und mit ähnlich vielen Einwohnern wie Dresden – fast ein bisschen wie zu Hause.

Dann wurde es ernst: Zur feierlichen Eröffnungszeremonie kamen 44 Teams aus mehr als 30 Ländern zusammen.Anschließend richteten wir unseren Pitstand ein, an dem jedes Team den anderen seine Erfolge in den vier Kategorien mit  Rollups und in persönlichen Gesprächen präsentiert – . Der Abend gehörte einer geführten Tour über den Nachtmarkt von Jeonju, bei der wir sogar eigene Teekannen bemalen durften.

Unser erster Wettbewerbstag begann mit den ersten beiden von drei Robotgame-Runden – in der besten erreichte unser Roboter starke 430 Punkte. Außerdem präsentierten wir der Jury Forschungsprojekt und Robotdesign und lernten nebenbei viele Teams aus aller Welt kennen.

Unser Forschungsprojekt: eine Online-Plattform für die Archäologie

Passend zum Saisonthema fragten wir uns: Womit kämpfen Archäologinnen und Archäologen im Alltag am meisten? Über 26 Fachleute verschiedener Institutionen – darunter das Landesamt für Archäologie Sachsen – gaben uns per E-Mail, Telefon und Videokonferenz Auskunft. Zwei Probleme tauchten immer wieder auf: Grabungszeiträume sind stark begrenzt – Wetter und kurzfristige Notgrabungen setzen die Teams unter Druck, und es fehlt oft an helfenden Händen. Zugleich verschlingt der Transport von Messtechnik und Ausrüstung enorme Summen; bei Grabungen im Mittelmeerraum können allein die Transportkosten 15.000 Euro übersteigen. Und Studierende der Archäologie suchen händeringend nach Praktikumsplätzen.

Unsere Lösung bringt beides zusammen: eine Online-Plattform, auf der sich Studierende und Freiwillige für Grabungsprojekte anmelden und Institutionen ihre Geräte untereinander verleihen können, statt sie teuer um die halbe Welt zu transportieren. Sie besteht aus drei Bereichen: einer Übersicht aktueller und geplanter Grabungen, einer Liste verfügbarer Ausrüstung und einem persönlichen Profil. Umgesetzt haben wir alles bewusst mit WordPress, damit jedes Teammitglied unabhängig von seinen Programmierkenntnissen mitarbeiten kann. Das Feedback der Fachwelt bestärkt uns: Mit den Grabungsfirmen „archaeofakt“ und „SAPIENS“ arbeiten wir bereits zusammen, langfristig soll die Plattform europaweit wachsen.

Finale und Preisverleihung

Nach der dritten Robotgame-Runde am 5. Juli blieb viel Zeit für Gespräche mit den anderen Teams, ehe die große Preisverleihung den Abschluss bildete – mit einem Höhepunkt für uns: Wir erhielten „Outstanding Realization Award – Winner“, der die Umsetzung unseres Forschungsprojekts auszeichnet!

Jeonju entdecken – und ab nach Hause

Nach dem Wettbewerb blieb noch Zeit, Jeonju zu erkunden: zuerst das Jaman Mural Village, ein Hangviertel direkt neben der konfuzianischen Schule Jeonjuhyanggyo, in dem unzählige Häuserwände kunstvoll bemalt sind, danach ein Tempel – bis der Monsun uns einholte und es so schnell nicht wieder aufhörte zu regnen. Also hieß es Shopping: koreanische Mode, Essen und Mitbringsel für zu Hause.

Am vorletzten Tag besuchten wir einen See mit einer wunderschönen Bibliothek, die direkt aufs Wasser blickt, und nutzten die letzte Gelegenheit für einen Einkaufsbummel.

Die Heimreise am 8. Juli über Frankfurt nach Dresden hielt ein letztes Abenteuer bereit: Zunächst hieß es, unser Flieger könne wegen eines Defekts nur wenige Personen mitnehmen – nämlich First und Business Class. Am Ende durften aber auch wir als Gruppe und alle mit Endziel Frankfurt an Bord.

Zurück bleiben unvergessliche Eindrücke von einem Land zwischen Tradition und Hightech, neue Freundschaften mit Teams aus aller Welt – und die Gewissheit, dass sich acht Monate harte Arbeit gelohnt haben.

Ein großer Dank gilt natürlich unseren Sponsoren, die uns diese wunderbare Erfahrung ermöglicht haben.