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Europa und wir
Die Europäische Union - Welche Ziele verfolgt sie,
was hat sie bis heute erreicht und wie wird es
weitergehen...?
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Europas Geschichte
         
   

1950 Rede Schumans

Am 9. Mai schlug der französische Außenminister Schuman vor die Kohle und Stahl Produktion Frankreichs und Deutschlands einer gemeinsamen Behörde zu unterstellen. Somit wurde der Grundstein für die Europäische Union gelegt und wird heute als Europatag gefeiert.

1951 Pariser Vertrag

Die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl wurde von den sechs Ländern: Frankreich, Belgien, Niederlande, Luxemburg, Italien und Deutschland gegründet. In dem Vertrag wurde der gemeinsame Markt und Kontrolle über Kohle und Stahl geregelt.

1957 Römische Verträge

Die sechs Staaten gründeten die Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) und die Atomgemeinschaft (EURATOM). Es wird die Errichtung eines gemeinsamen Marktes, einer Zollunion, friedliche Nutzung der Kernenergie und deren Forschung und die Entwicklung gemeinsamer Politiken geregelt.

1958 Europäischer Gerichtshof

Der europäische Gerichtshof (EuGH) wird in Luxemburg errichtet. Dieser sichert die Wahrung des Rechts während des gemeinschaftlichen Integrationsprozesses.

1962 Gemeinsame Agrarpolitik

Eine gemeinsame Agrarpolitik (GAP) tritt in Kraft. Es wird ein gemeinsamer Markt für Agrarerzeugnisse gebildet und die finanzielle Solidarität wird mithilfe eines Fonds gesichert.

1967 Fusionsvertrag

Die Europäischen Gemeinschaften EGKS, EWG, EURATOM fusionieren zur europäischen Gemeinschaft (EG). Sie verfügen jetzt über gemeinsame Organe.

1968 Abschaffung der Binnenzölle

Ab jetzt ist ein grenzüberschreitender Freihandel möglich, denn die Binnenzölle zwischen den sechs bisherigen Mitgliedstaaten wurden abgschafft. Nur für Güter aus nicht EG Ländern werden einheitliche Zölle erhoben.

1973 Norderweiterung

Es treten die Länder: Dänemark, Großbritannien und Irland der EG bei, womit sie nun neun weitere Mitgliedsstaaten sind.

1981 Erste Süderweiterung

Griechenland tritt der EG bei.

1986 Zweite Süderweiterung

Portugal und Spanien treten der EG bei, womit es jetzt 12 Mitglieder sind.

1993 Vertrag von Maastricht

Die Europäische Union wird, bestehend aus den europäischen Gemeinschaften, anhand einer Erweiterung der politischen Dimension gegründet. Es wird eine gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik geregelt.

1995 Erweiterung

Österreich, Schweden und Finnland treten der EU bei. Es sind jetzt 15 Mitglieder in der EU.

1995 Schengener Abkommen

Es wird der Schengen-Raum geschaffen in dem die Durchführung und die Vorraussetzungen für einen freien Personenverkehr gewährleistet werden. Mitglieder sind zunächst Frankreich, Belgienm Niederlande, Lucemburg, Portugal und Spanien, später komen noch Italien, Griechenland, Dänemark, Finnland und Schweden hinzu.

1998 Europäische Zentralbank

Die Europäische Zentralbank (EZB) wird in Frankfurt errichtet. Sie ist für eine stabiltätsorientierte Geldpolitik im Euro-Währungsgebiet zuständig.

2001 Vertrag von Nizza

Die europäische Grundrechtscharta wurde entworfen. Außerdem wird die EU auf eine Erweiterung der Kernbereiche vorbreitet.

2002 Euro Einführung

Seit dem ersten Januar ist der Euro in den EU Ländern außer Dänemark, Schweden, Großbritannien die neue Währung.

2005 Historische Erweiterung

Es werden die 10 Staaten: Estland, Lettland, Litauen, Malta, Polen, die Tschechische Republik, die Slowakei, Slowenien, Ungarn und Zypern mit in die EU aufgenommen.
   
   
   

Ziele der Europäischen Union

Raum der Freiheit, der Sicherheit und des Rechts ohne Binnengrenzen, freier Personenverkehr
Binnenmarkt, auf Grundlage eines ausgewogenes Wirtschaftwachstums und Preisstabilität
Frieden und Wohlergehen ihrer Völker sichern
Förderung des wissenschaftlichen und technischen Fortschritts
Solidarität zwischen den Mitgliedstaaten
Wahrung der kulturellen und sprachlichen Vielfalt
Bekämpfung von sozialer Ausgrenzung und von Diskriminierungen

Zusammenfassung

Die bis jetzt am besten umgesetzten Ziele der europäischen Union sind die Einrichtung von einem Raum der Freiheit, der Sicherheit, des Rechts und des freien Personenverkehrs ohne Binnengrenzen und die Sicherung des Friedens in Europa. Hier gibt es zum einen das Schengener Abkommen, mit welchem die meisten stationären Grenzkontrollen innerhalb Europas abgeschafft wurden. Zum anderen herrscht seit mehr als 50 Jahren Frieden in Europa. Auch ist ein ausgewogenes Wirtschaftswachstum vorhanden, die starken Inflationsraten sind in den letzten Jahren zurückgegangen und liegen weit unter denen der nicht-EU Ländern. Auch die Wissenschaftsförderung befindet sich auf einem guten Weg, zwischen 2007 und 2013 wurden rund 50 Milliarden Euro in Forschung investiert. Dagegen hat die EU bei der Sicherung des Wohlergehen ihrer Völker noch viele Aufgaben zu bewältigen, vorallem muss die hohe Jugendarbeitslosigkeit in vielen Ländern gesenkt werden. Auch die Solidarität zwischen den Mitgliedsstaaten müsste verbessert werden, hier ist das Beispiel der Flüchtlingspolitik zu nennen. Zur Zeit werden Flüchtlinge nur im Ankunftsland aufgenommen, die anderen Länder erklären sich für nicht zuständig. Es sind also keineswegs alle Ziele erreicht. Zudem muss auch noch viel getan werden, um die bereits erreichten Ziele zu halten. Es gibt also keine Zeit, sich auszuruhen!


In der Grafik werden Vor- und Nachteile der Europäischen Union dargestellt. Die grünen Pfeile stellen hier die Vorteile da. Bei der Erarbeitung der Vorteile fiel uns auf, dass bei tiefgründiger Beschäftigung noch viel mehr positive Fakten erkannt werden. Dies bringt uns zu dem Schluss, dass einige der Kritikpunkte teilweise entstanden sind durch zu wenige Fachkenntnisse über bestimmte Themengebiete wie, Beschlüsse, Investitionen und Arbeitsweise des Parlaments. Das bedeutet unsere Grafik stellt nur Anhaltspunkte dar, welche die Grundlage für weitere Beschäftigung mit dem Thema EU bilden.

Was müsste die EU mehr für Jugendliche tun?

» Aktuell liegt die Jugendarbeitslosigkeit bei 22% in der Eurozone, 2008 bei nur 18% → Senken der Arbeitslosigkeit durch Schaffung neuer Jobs
» Bildungssysteme überarbeiten und standardisieren damit die Flexibilität, Sicherheit, Mobilität für alle Jungendliche gleich ist
» Schaffung von Ausbildungsplätzen
» Werben für Universitäten und Hochschulen um eine Struktur auf europäischer Ebene zu erhalten
» finanzielle Förderung von Jugendprojekten und neue Förderprogramme
Die Umfrage
Unsere Umfrage wurde etwa 100-mal beantwortet, die Hälfte der Teilnehmer beantworteten die deutsche Version, die anderen die Englische. An der hohen Beteiligung (vor allem an der englischen Umfrage) ist erkennbar, dass dieses Thema Jugendliche europaweit interessiert. Die Umfrage wurde in Internetforen veröffentlicht und ist somit international und allgemein zugänglich. Da es sich um eine Umfrage zur Einschätzung durch Jugendliche handelt, gab es eine Altersbegrenzung zwischen etwa 15 und 25 Jahren.

Zu manchen Fragen, hatten die Teilnehmer kontroverse Meinungen, aber die Frage über die Kenntnisse der EU-Ziele wurde mit großer Mehrheit positiv beantwortet. Allgemein haben die Teilnehmer der deutschen Umfrage gegenüber der EU und dem Euro eine größere Zustimmung als die der Englischen. Fazit: Deutschland scheint besonders von der EU zu profitieren.
Nachfolgend die Auswertung der einzelnen Fragen:


Die EU verbessert den Lebensstandard in meinem Land.

In der deutschen Umfrage stimmen etwa ein Sechstel der Teilnehmer der Aussage vollständig zu und nur ein Viertel widersprechen ihr teilweise, aber niemand vollständig. Somit bewerten etwa 60% der deutschen Teilnehmer, dass die EU für Deutschland positiv ist. Nur in der englischen Version, welche europaweit beantwortet wurde, stimmen 20% gar nicht zu. Dort betrachten weniger als die Hälfte der Teilnehmer die Mitgliedschaft ihres Landes in der EU als positiv.



Der Euro ist gut für mein Land.

Jeder dritte deutsche Teilnehmer stimmte dieser Aussage voll und ganz zu, und keiner wiedersprach vollständig. Dabei ist zu beachten, dass sich fast ein Viertel der Teilnehmer enthielt und jeder Fünfte eher nicht zustimmte. Diese Antwortsvariabilität lässt auf eine geteilte Meinung der Staatsbürger schließen. In der englischen Umfrage sind die Ergebnisse ebenso uneindeutig, wobei sich eine knappe Mehrheit der Teilnehmer für diese Aussage ausspricht. Allerdings widerspricht auch jeder Fünfte dieser Aussage vollständig.



Kennen Sie die Ziele der Europäischen Union?

In Deutschland verneinte nur jeder Fünfte diese Frage, in der englischen Version hingegen jeder Vierte. Daraus lässt sich schlussfolgern, dass die Ziele allgemein bekannt sind.



Welche Ziele hat die EU deiner Meinung nach erreicht?

Die Teilnehmer beider Umfragen halten das Ziel "Frieden und Sicherheit" für weitgehend umgesetzt. Ebenso werden die Einrichtung einer einheitlichen Wirtschaftszone und der Schutz der Menschenrechte von vielen Teilnehmern als Gelungen betrachtet. Allerdings hält weniger als jeder zehnte Teilnehmer die Beseitigung der Armut und eine globale und nachhaltige Entwicklung für erreicht. Diesbezüglich scheint die EU ihre Ziele nicht vollständig umgesetzt zu haben.



Interview mit Herrn Martin Modschiedler (CDU)

Herr Modschiedler (CDU) ist seit September 2009 Abgeordneter im Sächsischen Landtag und dort unter anderem Vorsitzender des Verfassungs-, Rechts- und Europaausschusses. Nachdem wir einen Termin mit Herrn Modschiedler vereinbaren konnten, waren wir gespannt, einen Einblick in die Arbeit und Sichtweise von jemandem zu bekommen, der sich mit dem Thema „Europa“ tagtäglich auseinandersetzt.

Am Mittwoch, dem 27. November, war es dann soweit. Vier Schüler unserer Klasse wurden extra zwei Stunden vom Unterricht freigestellt, um sich im Sächsischen Landtag mit Herrn Modschiedler MdL, der sich trotz der Plenarsitzung extra Zeit für uns nahm, um mit uns zu reden. Da an Plenartagen der Landtag gut besucht ist, stand uns für das Interview nur sein persönliches Büro zur Verfügung, was zwar etwas eng war, aber ansonsten nicht weiter gestört hat. Ausgestattet mit einer Tasse Tee oder Kaffee, und natürlich Stift und Zettel, begannen Marc und ich unsere vorbereiteten Fragen zu stellen und anders als vielleicht erwartet, beantwortete Herr Modschiedler diese in einer sehr lockeren und offenen Art. Er konnte uns viel über Strukturen und Regelungen der EU-Politik erzählen, wodurch man in den Vorarbeiten aufgetauchte Fragen viel besser verstehen konnte. Während Katja fleißig mitschrieb und Jonas fotografierte, diskutierten wir eine knappe Stunde zum Beispiel über die Angleichungen der Staaten oder die Frage, wie weit sich die EU einmischen sollte. Auch von aktuellen Themen wie der Ukraine oder Griechenland bekam man ein ganz anderes Bild, da man Folgen und Problematiken erkannte, die einem vorher noch gar nicht bewusst waren. Anschließend führte uns Herr Modschiedler noch durch das Gebäude, zeigte uns, wo die Abgeordneten und Parlamentarischen Berater sitzen und auch den Plenarsaal. Dort konnten wir sogar kurz mit dem Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich sprechen. Dieser riet uns zu einem Auslandsjahr und wünschte uns weiterhin viel Erfolg. Doch er musste schnell weiter, da er noch nach Berlin fuhr. Dann machten wir noch ein Foto vor dem Gebäude und verabschiedeten uns vom Abgeordneten Modschiedler.
Wir bedanken uns sehr herzlich bei Ihnen für diese tollen anderthalb Stunden!

Wofür sind Sie genau zuständig?

» Ich bin Ausschussvorsitzender, Verfassung, Recht und Europa hier im Landtag, das heißt ich bin dafür zuständig, wenn die Subsidiarität betroffen ist, das heißt, wenn die europäischen Verordnungen mittelbar oder unmittelbar in das sächsische Recht eingreifen, dann kann ich warnen und aufzeigen, dass wir in unserem Recht betroffen sind.

Was sind in Ihren Augen Vor- bzw. Nachteile der EU?

» Die Frage kann sich jeder selbst beantworten, der durch die Stadt geht. Worin merkt ihr denn die Vorteile der EU? Allein, wenn man sich die sanierten Gebäude anschaut: ohne Hilfe von Fördermitteln der EU wäre das teilweise nicht möglich gewesen. Noch stärker merkt man es, wenn man innerhalb der EU reist: kein Visum beantragen, kein Geld wechseln. Der Euro ist unsere stabile Währung. Wir haben einen großen Binnenmarkt, wenn wir nach Österreich fahren, müssen wir nicht erst umtauschen. Wir sind über 500 Millionen EU-Bürger. Die Amerikaner nehmen uns wahr, weil wir die Frau Merkel haben, aber sie nehmen uns auch wahr, weil wir 500 Millionen Einwohner sind. Aber wir nehmen uns nicht als Unionsbürger wahr, sondern als Deutsche. Wenn man einen Amerikaner fragt, wo er herkomme, so antwortet der: "Ich bin Amerikaner." Fragt man hingegen einen Europäer, so bekommt man die Antwort: "Ich bin Deutscher." oder "Ich bin Franzose." Und das, obwohl wir alle Europäer sind. Die Antwort sollte also heißen: "Ich bin Europäer und komme aus Deutschland." Das ist das Problem.

Also halten Sie es für wichtig, dass man die Länder aneinander angleicht?

» Was heißt angleicht. Es ist wichtig, dass man eine Europäische Union verfestigt. Aber jetzt sind wir bei meiner Meinung. Die anderen Vorteile, auch wirtschaftlich, habt ihr ja selber nennen können. Jetzt ist halt die Frage: Was ist mit einer Armee? Muss wirklich jedes Land für sich Streitkräfte haben oder können wir nicht sagen: Die Union hat eine Armee. Das man das zusammen macht. Die Amerikaner haben das ja auch.

Und also gemeinsam z. B. in Syrien zu helfen?

» Genau. So wie wir das im Rahmen der NATO ja auch tun. Oder eine selbstständige Finanzierung. Dass die EU einen eigenen Haushalt hat. Das wäre doch super. Aber kein einziger Staat würde dem zustimmen, weil alle ihre Selbstständigkeit unbedingt behalten wollen. Das sind Themen, die uns weiter zusammen führen. Und zur Frage EU - ja oder nein: Auf jeden Fall ja, etwas Besseres kann uns gar nicht passieren!

Denken Sie, dass es in Zukunft möglich wäre, eine gemeinsame europäische Verfassung zu haben? Zw. Wird etwas in die Richtung angestrebt?

» Die Justizkommissarin Reding hat sich mit Thema zuletzt befasst und sie hat gesagt: Wir arbeiten weiter an einer Verfassung. Es war ja einmal eine Verfassung angedacht, aber die wurde abgelehnt. Aus welchem Grund? Alle Mitgliedsstaaten müssen zustimmen. Das wäre vor 2004 noch einfacher gewesen, bevor die vielen neuen Mitgliedstaaten dazu gekommen sind, denn wir brauchen eine Reform der Europäischen Union. Erstes Problem: jedes Land hat einen Kommissar. Kommissare sind quasi Minister.
Wenn neue Staaten hinzukommen, heißt das automatisch, dass ein neuer Kommissar hinzukommt, doch was soll der machen? Ein Kommissar ohne Aufgaben? Es sollte Ressort-Kommissare geben, sowie auch Ministerposten vergeben werden, aber das geht im Moment nicht. Das zweite Problem ist die Einstimmigkeit, die für Grundsatzfragen verfassungsbetreffend vorliegen muss und die sollte irgendwann ausgehoben werden. Das geht aber auch nur über einen einstimmigen Beschluss. Wir bekommen in der jetzigen Situation keine Verfassung, weil immer irgendwer dagegen stimmt. Es gibt zu viele, die eigene Interessen haben. Aber ich würde mich freuen, wenn wir eine europäische Verfassung bekämen. Und es wird auch daran gearbeitet.

Also müsste man eine Reform anstreben?

» Wie wollen wir eine Reform machen, wenn wir die Reform nicht hinkriegen, weil die Reform der Reform nicht funktioniert? Die Probleme werden größer. Also entweder, wir lösen die EU auf und bilden sie sofort neu oder es werden alle vernünftig und wir machen das - aber warum sollten wir alle vernünftig werden…

Was sind Gründe, gegen so eine offensichtlich gute Lösung zu stimmen?

» Es sind persönliche Interessen. Russland -zum Beispiel- will nicht, dass wir als EU zu stark werden und unterstützt andere EU-Staaten in der Blockadehaltung.

Gibt es ein gemeinsames Asylrecht oder Angleichungen in diese Richtung?

» Eine Asylverordnung ist im Umlauf. Bis jetzt ist noch nichts Konkretes raus, allerdings weiß ich auch nichts Spezielles. Soetwas kommt ins Grünbuch, das ist die Zukunftsplanung. Irgendwann wird das von einer Kommission als Gesetz formuliert, dann kommen die Trilogverhandlungen. Sprich, das geht dann zum Rat und zu den Abgeordneten. Die Kommission besteht aus den Kommissaren, die Abgeordneten sind gewählt und wenn der große Rat tagt, dann sind das alle Präsidenten der Länder. Aber dann gibt es Unterräte, das sind dann die Justiz- oder Außenminister. Das ist die stärkste Kraft. Aber seit dem Lissabon-Vertrag hat das Abgeordnetenparlament ein paar Rechte mehr bekommen.

Wie oft finden solche Parlamentssitzungen statt?

» Sehr oft, etwa 42 Tage im Jahr. Also die Abgeordneten sind wirklich sehr eingebunden.

Sind von der EU beschlossene Gesetze und Richtlinien für die Staaten verpflichtend?

» Die müssen umgesetzt werden. Das kommt darauf an, wie die Gesetze gestrickt sind, aber dass sie Umsetzungsanordnung haben, steht meistens im Gesetz mit drin. Und dann gibt es in Deutschland den Artikel 23 unseres Grundgesetzes. Das ist quasi das Transformationsgesetz.

Kann man als Landesregierung Einfluss auf die im EU-Parlament besprochenen Themen Einfluss nehmen, wenn man beispielsweise ein Problem hat?

» Ja, es gibt mehrere Möglichkeiten. Wir haben Abgeordnete der Parteien, an die man sich wenden kann. Die tragen dann das Problem im Ausschuss vor, wo dann zum Thema diskutiert wird. Und dann gibt es noch eine Art Frühwarnsystem. Wenn ein Gesetz vor dem Beschluss im Parlament steht und dem deutschen bzw. sächsischen Recht widerspricht, dann ist die Exekutive verpflichtet, das Material möglichst schnell an die Legislative zu senden, damit die es bearbeiten und Veto einlegen können. Doch nur wenn der Druck von außen stark genug wird, kommt es vor, dass der Beschluss noch verändert oder abgewendet wird.

Was halten Sie von aktuellen Themen, wie z.B. die Forderung der AfD, dass Griechenland eine eigene Währung bekommt und somit nach Meinung der Partei einige Vorteile hätte, die sie mit dem Euro nicht haben?

» Ich weiß bis jetzt nicht, was das soll. Ich habe mich damit auseinandergesetzt. Die sehen das wirtschaftlich und begutachten das Ganze auch nur so. Die AfD bedient, ganz ehrlich, nur Ängste. Was wären die Konsequenzen? Wir haben Bürgschaften gemacht, nicht nur jetzt der Rettungsschirm, sondern schon eher. Uns wurde in schlechten Zeiten geholfen. Jetzt kommen die schlechten Zeiten bei den anderen. Als wir Probleme hatten, hat die EU uns unglaublich geholfen, als die DDR zusammengebrochen ist. Das hätten wir alleine nicht geschafft. Jetzt geht es uns gut und jetzt kommt ein Problem und wir können das nicht einfach abschieben, sondern wir müssen es gemeinsam lösen. Würden wir nicht helfen, würde es im Chaos enden und auch andere Staaten mit hinterher ziehen. Uns ist nicht geholfen, wenn sie jetzt austreten. Die EU ist so gut, weil sie die EU ist. Uns Deutschen würde es ohne EU nicht so gut gehen. Die AfD geht davon aus, dass Griechenland das schon alleine schaffen wird. Sie würden kurz durchhängen, aber dann ginge es weiter. Da wurde nicht an die Bürgschaften gedacht. In Griechenland fehlt das wirksame Finanzsystem, es gibt beispielsweise kein Finanzamt. Wir müssen ihnen helfen, sich zu strukturieren. Irland ist aus dem Rettungsschirm raus, Spanien will es bis Januar schaffen. Und auch in Portugal und Griechenland geht der Trend nach oben. Es hilft und funktioniert also.

Wie steht es mit Ukraine und Türkei? Sollten sie auch in die EU aufgenommen werden?

» Ich denke vor allem bei der Türkei sind es mentale Unterschiede, die eine Aufnahme kompliziert machen würden, auf der anderen Seite sollten wir erst einmal eine Pause machen und mit den aktuellen Problemen fertig werden.

Wie steht es mit der PKW-Maut, die muss ja jetzt auch über das Europa-Parlament geregelt werden?

» Maut für alle: kein Problem. Maut für Ausländer: europäisch unzulässig. Und das ist das, was Seehofer will, damit Transitfahrer für die Nutzung unserer Straßen mitbezahlen. Aber das wird auf keinen Fall funktionieren. Man könnte es wie in Österreich mit einer Vignette machen, aber das will niemand. Und auch das Kfz-Steuersystem soll nicht verändert werden. Das wird auf jeden Fall ein Gesprächsthema bleiben. Aber dass die EU nein sagt, wird so bleiben.

Gibt es in Europa konkrete Maßnahmen gegen die hohe Jugendarbeitslosigkeit?

» Das muss jeder Staat für sich selbst regeln. Man muss Anreize schaffen, für bessere Ausbildung und damit bessere Perspektiven. In Deutschland klappt das gut, wir haben eine geringe Jugendarbeitslosenrate, aber in Spanien liegt sie bei 50%. Die Verknüpfung von Ausbildung und Schule durch das duale System schafft bessere Arbeitsgrundlagen und qualifiziertere Arbeitskräfte. Man sollte also mehr für die Ausbildung tun. Aber das muss vor Ort getan werden. Jeder Staat ist für sein Bildungssystem selbst zuständig. Doch es gibt Maßnahmen, die diese Staaten darin unterstützen, damit die Jugendlichen nicht abwandern, um sich woanders Arbeit zu suchen.


Vielen Dank für dieses umfassende Gespräch. Sie haben uns damit wirklich weitergeholfen.
Das Gespräch führten: Marc Seidel, Hanna Kallweit, Jonas Liebsch, Katja Neumann



Europa 2013
Unsere Wünsche an ein zukünftiges Europa
Achtung unter den Völkern
Verringerung der Jugendarbeitslosigkeit
Schaffung eines europaweiten Asyl-Rechts
Europa 2030
Vielen Dank für Ihr Interesse



Dieser Artikel entstammt der 10a und wurde für den Schülerwettbewerb zur politischen Bildung des BpB entwickelt
- Quellenangabe -

» http://www.edeka.de/EDEKA/media/edeka_zentrale/ernaehrung/ernaehrungsservice/interaktive_checks_familie/Edeka-Flagge-EU-Kennzeichnung-Zusatzstoffe.jpg
» http://www.zukunfteuropa.at/site/4664/default.aspx
» http://europa.eu/about-eu/eu-history/index_de.htm
» http://www.cep.eu/eu-fakten/ziele-der-eu/
» http://www.mygeo.info/landkarten/deutschland/Deutschland_in_Europa.png